Treffen der ökumenisch Interessierten und Ökumenebeauftragten am 13.2.2016

Die unter dem Thema „Ökumene ist möglich“ stehende Veranstaltung, bot interessante Impulse und auch Kontakte zu anderen Christen, denen das Thema Ökumene am Herzen liegt.

Im thematischen Mittelpunkt des vorangehenden ökumenische Gottesdienstes in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum, deren Leitung auch unserem Pfarrer Norbert Pomplun oblag, stand die Flüchtlingskrise und deren Bewältigung.

Passend hierzu gewählt wurde die biblische Aussage in Leviticus 19,33 ff: „Wenn bei dir ein Fremder im Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken…Er soll euch wie ein Einheimischer gelten.“ Dieser Auftrag ist selbstverständlicher Inhalt der christlichen Botschaft und Auftrag zur Nächstenliebe. In welcher Form das in unserer heutigen Gesellschaft vor allem praktisch umsetzbar ist, war auch späterer Gegenstand der Betrachtung in einer von mir besuchten Arbeitsgruppe.

Dem Gottesdienst folgte dann ein Referat unseres Erzbischofs, Dr. Heiner Koch
zum Thema: „Auf dem Weg zur Einheit der Kirche – Ökumene in unserer Region“ ,
mit der anschließenden Möglichkeit von Rückfragen zum Referat.

Erzbischof Dr. Koch berichtete einleitend zum Aspekt der „Region“ in der Ökumene von seinen Eindrücken als Bischof von Köln und Dresden. Die Verschiedenheiten des christlichen Glaubens, gerade aus der regionalen Unterschiedlichkeit, waren für die Zuhörer interessant. Im Rheinland ist die Zugehörigkeit zu einer christlichen Regionsgemeinschaft „normal“ . Sie ist alltäglicher Bestandteil des Lebens, egal in welcher Form dann auch christlicher Glaube gelebt wird. Humorig fügte er an, dass ihm ein Gemeindemitglied berichtete, dass er regelmäßig die Gottesdienste besuchen würde, jedes Jahr nämlich zu Weihnachten! Anders in Dresden, wo gerademal 10 % der Bürger Mitglied einer Kirchengemeinschaft sind. Ein erklärter Atheist fragte ihn, ob er tatsächlich an Gott glaube und ein Leben nach dem Tode, was er natürlich bejahte. Mit Tränen in den Augen sagte ihm der Mann: „Da haben Sie es gut!“ Dies zeigt aber auch, dass durch die politische Realität vor der Wende Glaube ignoriert wurde, was sich immer noch zeigt.

Aber auch ansonsten sprach Dr. Koch den festzustellenden Verlust der christlichen Realität an, wenn heute nur noch gut 50 % der Bürger in Deutschland einer christlichen Religion angehören, mit sinkender Tendenz.

Zur Frage der gelebten Ökumene und den bevorstehenden Feiern zum 500-jährigen Reformationsjubiläum betonte er den allgemeinen Wunsch zur Gemeinsamkeit in der evangelischen und katholischen Kirchen. Hierbei hob er hervor, dass beim Wunsch zur Gemeinsamkeit, unterschiedliche Betrachtungsweisen insbesondere zum Sakramentsverständnis nicht vernachlässigt werden sollten. Exemplarisch nannte der das in der katholischen Kirche geltende Sakrament der Untrennbarkeit der Ehe, ebenso wie Fragen der Eucharistie und hier zur Sicht der Anwesenheit Gottes beim Abendmahl.
Gerade viel diskutierte Fragen der Unauflösbarkeit der Ehe waren Gegenstand der von Dr. Koch besuchten Familiensynode im Oktober 2015 in Rom. Unser Erzbischof glaubt aber, dass viel in Bewegung sei und der Papst hierzu weise Entscheidungen treffen werde.

Gerade das pastorale Thema der Eucharistie in der Katholischen Kirche war dann auch Anlass für eine Nachfrage eines Zuhörers, der als Protestant mit einer Katholikin verheiratet ist, jedoch stets beim gemeinsamen katholischen Gottesdienstbesuch vom Abendmahl ausgeschlossen ist. Darauf konnte Dr. Koch nur auf die jetzt bestehende Betrachtung verweisen.

Es folgen dann Gespräche in anschließenden Arbeitsgruppen. Diese befassten sich mit folgenden Themen:
1. „Wo Gastfreundschaft gelingt“ – Schritte zur Integration Geflüchteter
2. Ökumenische Gestaltung des Wegs zum Reformationsjubiläum 2017
3. Ökumene unter fremdsprachigen Gemeinden
4. Ökumene in neuen Strukturen
5. Ökumenische Spiritualität

Ich kann nur von den Gesprächen in der von mir besuchten Arbeitsgruppe 1 berichten, die das Flüchtlingsthema zum Gegenstand hatte. Hier wurde exemplarisch von Teilnehmern dargestellt, was in einzelnen Gemeinden beim Versuch der Integration von Zuwanderern unternommen wird. Genannt wurden hierbei u.a. der Versuch religiöse Gespräche über Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede zum Islam mit Muslimen zu diskutieren. Vom Vertreter der Caritas wurde auf jetzige Projekte verwiesen, im Auftrag der Katholischen Kirche Wohnungen für Zuwanderer zu mieten. Mein ganz persönlicher Eindruck war bei allen wohlmeinenden Initiativen, dass es an klaren Konzepten auch auf politischer Ebene mangelt.
Aus dem Kreis der Gesprächsteilnehmer wurde darauf hingewiesen, dass durch die Zuwanderung die christlichen Kirchen eine völlige Veränderung erfahren könnten, was aber im Einzelfall hier nicht näher konkretisiert wurde.

In einem anschließende Plenum wurden dann die in den Arbeitsgruppen diskutierten Themen dargestellt.

Lutz Hartmann

Di, 1.Mär 2016 · Gemeindeleben · Ökumene

Artikel zu ähnlichen Themen: