Ökumenischer Gesprächsabend am 30.03.2016

An diesem Abend stellte Herr Bernd Breuer von der Ev. Gemeinde Waidmannslust das Sachbuch von Heiner Geißler, „Was müsste Luther heute sagen“ vor.

Die gesamte Bandbreite des Buches vom Jesuitenschüler und späteren Politiker Geißler ist sicher nicht an einem Gesprächsabend zu erfassen, denn Geißler beleuchtet das Wirken Dr. Martin Luthers von vielen Aspekten und letztlich auch aus einer zeitlichen Differenz von 500 Jahren, wodurch sich manche Äußerungen nicht mehr in heutige Betrachtungsweisen einfügen lassen und somit zu relativieren wären.
Heiner Geißler stellt Luther als vielschichtige Persönlichkeit in seinen Ansichten dar. Er war nicht allein der Reformator, der die Katholische Kirche zu anderen Sichtweisen bringen wollte, er traf auch heute befremdliche Aussagen aus seiner Zeit heraus, dem Beginn der Renaissance. Und gerade diese würden wir, wie es Bernd Breuer exemplarisch darstellte, eher kritisch sehen. So wandte sich Luther gegen vom Christentum abweichende Religionen, wie den Islam aber auch das Judentums. Ein Hinweis in diesem Zusammenhang scheint auf zeitgeschichtliche Denkweise angebracht, in der Juden gesellschaftlich ausgegrenzt wurden. Man lastete den Juden die Kreuzigung Jesu an, was zu dieser Haltung führte. Aber auch Luthers Ablehnung der Bauernkriege unter Thomas Münzer gegen die Unterdrückung durch den Adel führt Geißler in seinem Buch an.

Neben diesen zeitgeprägten, heute eher kritisch einzuschätzenden Äußerungen Luthers, beschreibt Geißler natürlich die Kernpunkte Luthers Aussage und seine Anlehnung an das Heute. Wie würde seine Reaktion zum Finanzgebaren der Kirche oder der Stellung zu Homosexuellen und anderen Problemfeldern ausfallen? Mein persönlicher Eindruck ist, dass man Luthers Aussagen allgemein allein in seinen zeitgeschichtlichen Kontext einordnen sollte, ihn jedoch vielmehr in seinen Bemühungen um die Reform der Kirche seiner Zeit sehen muss.

Und hier zeigt sich vielleicht auch die Verbindung zu Papst Franziskus, der in einer reformerischen Position von mir eingeschätzt wird. Geißler sieht Luther heute in einer ähnlichen Aufgabenstellung, geprägt von einem Plädoyer für eine wiederzugewinnende Einheit der Kirche, um weltweit jene moralische Kraft wiederzugewinnen, die gerade heute notwendig erscheint.

Zum nächsten Gesprächsabend lade ich wieder herzlich alle Interessierten am 26.4.2016 um 19.30 Uhr in unser Gemeindezentrum in Maria Gnaden ein. Thema ist dann das Verhältnis von Sünde, Schuld und Sühne.

Ihr Lutz Hartmann

Do, 31.Mär 2016 · Gemeindeleben · Ökumene

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