Chronologie der Gemeindegeschichte von Maria Gnaden

Kurzchronik zum Kirchweihfest Mai 2009 [2,24MB]

Vorbemerkung:
Durch die Eröffnung der Nordbahn im Jahr 1877 erhielt Hermsdorf (damals noch zum Kreis Nieder-Barnim gehörend) eine gute verkehrstechnische Anbindung an die Reichshauptstadt Berlin. Dies förderte die Entwicklung Hermsdorfs als wichtigen Standort der Ziegel- und Zementproduktion. und als Ausflugsziel der Berliner. Durch den zweigleisigen Ausbau der Nordbahn und die Einführung des Vorortverkehrs mit dichterer Zugfolge und ermäßigtem Tarif (1891) wurde Hermsdorf als Wohnort für Berliner attraktiv. Die Bevölkerungszahl stieg nun sprunghaft an. Mehrere private und gemeinnützige Unternehmen („Terrain-Gesellschaften“) kauften Bauern- und Gutsbesitzerland, parzellierten es und fingen an, es zu bebauen oder zur Bebauung zur Verfügung zu stellen.

1893 Die „Gesellschaft zur Gründung eigener Heimstätten“ erwirbt im westlichen Teil von Hermsdorf zwischen Hermsdorfer Damm und Frohnauer Str. 120 Morgen Land. An der Führung dieser Gesellschaft ist maßgeblich beteiligt der katholische Volksschullehrer Christoph Albrecht. Auf seine Initiative geht auch die Gründung einer höheren Knabenschule (Vorläufer des heutigen Georg-Herwegh-Gymnasiums) zurück. Zusammen mit weiteren katholischen Anteilseignern der Gesellschaft sorgt er auch für katholische Einrichtungen in den folgenden Jahren. Die Zahl der Katholiken war von 9 im Jahr 1893 auf 32 im Jahr 1896 angewachsen.
1897 Errichtung eines Kinderheimes durch Dominikanerinnen aus Arenberg bei Koblenz auf dem jetzigen Gelände des Dominikuskrankenhauses.
bis Aug. 1898 sonntägliche Gottesdienste in Privatwohnungen durch wechselnde Geistliche
ab 4.8.1898 Gottesdienste in der neuen Hauskapelle des Kinderheimes, das auch um ein Erholungsheim für Erwachsene („Dominikus-Stift“) erweitert wurde.
1906 Einführung von Kaplan Franz Kaiser als Seelsorger (mit dem Titel ‚Kuratus’) in Hermsdorf, der auch den kath. Religionsunterricht in den Hermsdorfer
Schulen übernimmt (Volksschule im alten Dorf, höhere Töchterschule in der Olafstr. und höhere Knabenschule am Falkentaler Steig).
1908 Weihe der jetzigen Hauskapelle des inzwischen erbauten Dominikus-Kranken-Hauses (damals noch „Dominikus-Stift“), in der nun die sonntäglichen Gottesdienste durch Kuratus Kaiser abgehalten werden. Die Gemeinde besteht nun aus 600 Mitgliedern.

Der Landrat des Kreises Nieder-Barnim hatte schon 1897 und 1899 vergeblich versucht, den Bau eines katholischen Krankenhauses zu verhindern. In einem Schreiben des Jahres 1903 weist er darauf hin, dass die Umgebung dieser „Niederlassung“ von zahlreichen Katholiken bewohnt wird, so dass der Volksmund diesen Ortsteil „katholisch Hermsdorf“ nenne.
1911 Erhebung Hermsdorfs zur Kuratie mit Kuratus Franz Kaiser. Dazu gehörten folgende 14 Seelsorgebezirke: Hermsdorf, Bergfelde, Birkenwerder, Glienicke, Hohen Neuendorf, Mühlenbeck, Schildow, Schönfließ, Stolpe mit Neubrück, die bisher zur Pfarrei Reinickendorf gehörten, ferner Blankenfelde, Lübars, Waidmannslust, die bisher zur Kuratie Pankow gehörten, sämtlich im Kreis Nieder-Barnim gelegen.
1922 Hermsdorf wird eigene Pfarrgemeinde innerhalb des Gemeindeverbandes der katholischen Kirchengemeinden Berlins. Pfarrer Franz Kaiser wird offiziell als Pfarrer dieser Gemeinde eingesetzt, nachdem er schon 1915 zum „Pfarrer
ad honorem“ ernannt worden war.
1924 Pfarrer Franz Kaiser wird zum Erzpriester (Dekan) des
Archipresbyterats (Dekanats) Reinickendorf ernannt. Zu diesem Archi-presbyterat gehören diese 12 Pfarreien: Hermsdorf, Pankow, Reinickendorf, Tegel, Weißensee, Bernau, Biesenthal, Gransee, Hennigsdorf, Oranienburg, Velten und Zehdenick.
Dez. 1929 Beginn der Projektierung für den Bau der Pfarrkirche
Mai 1930 Erwerb des Kirchgrundstückes für 22.000 Mark
13.9.1933 Erster Spatenstich zum Bau der neuen Pfarrkirche. Die Baukosten in Höhe von 123.000 Mark werden zur Hälfte aus Rücklagen und Spenden der Gemeinde gedeckt.
22.10.1933 Grundsteinlegung für die von Architekt Josef Bischof geplante Kirche
14.4.1934 Weihe der drei Kirchenglocken
22.5.1934 Konsekration der neuen Pfarrkirche „Maria Gnaden“
durch Bischof Nikolaus Bares
1936 Einbau der 1.Orgel
1.5.1938 Beginn der kurzen Tätigkeit des Kaplans Radler zur Unterstützung der Gemeindearbeit bis zum Kriegsbeginn.
15.1.1940 Kaplan Weigmann nimmt für ca. 2 ½ Jahre bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht seinen Dienst auf.
Anfang 1942 Die beiden größeren der drei Glocken werden als Rohmaterial für Rüstungszwecke abgeholt.
Aug. 1942 Jugendliche der Pfarrei organisieren einen Luftschutzdienst für die Kirche.
26.11.1943 Brandbomben fallen in den Kirchenraum; der Küster verhindert durch Hinaustragen der brennenden Bomben größeren Schaden.
15.11.1945 Der erste Gemeindekindergarten wird im Haus der Familie Rumphorst gegründet.
1947/48 Der Pfarrsaal (im Erdgeschoss des Pfarrhauses) dient als Unterrichtsraum für das zu kleine Lyzeum in der Olafstr. (Hans-Thoma-Schule).
12.10.1952 Sterbetag des Erzpriesters Franz Kaiser; Kaplan Adalbert Bunge wird Pfarradministrator.
1.2.1953 Pfarrer Werner Bunge, Bruder des Pfarradministrators, wird Pfarrer von Maria Gnaden.
1954 Erste Innenrenovierung der Kirche, Umbau des Altarraumes
1959 25. Kirchjubiläum mit religiöser Woche
11.11.1959 Richtfest der Kindertagesstätte (Roswithastr. Ecke Olafstr.)
1965 Außenrenovierung der Kirche
Febr. 1966 Einweihung des Gemeindezentrums Olafstr.59
1968 Zweite Innenrenovierung der Kirche
1969 Einbau der 2.Orgel
24.8.1981 Verabschiedung des Pfarrers Werner Bunge in den Ruhestand
1.9.1981 Pfarrer Niklas Weinges wird als Pfarrer eingeführt; er bleibt auch weiterhin Pfarrer der Gemeinde Regina Mundi in Waidmannslust, deren Pfarrer er bereits seit 1.10.1978 ist.
Herbst 1981 Schwester Beatrix Pasch wird Gemeindereferentin. (In der Vergangenheit waren für kürzere Zeitabschnitte hin und wieder Pfarr- oder Seelsorgehelferinnen tätig)
1981/82 Umbau des Pfarrhauses (Sept. 1981 – Feb. 1982)
2.2.1982 Feier des Goldenen Priesterjubiläums von Pfarrer Werner Bunge
Juni 1982 Reparatur des Kirchturms und des Glockenstuhls einschl. Renovierung
Jan. 1983 Gründung des Fördervereins der Gemeinde Maria Gnaden
Mai 1984 50. Kirchjubiläum mit religiöser Woche
1988 Renovierung der Kirche und Umbau des Altarraumes
1.4.1989 Nach Entpflichtung des Lübarser Pfarrers Dieter Sohn wird Pfarrer Niklas Weinges Pfarradministrator auch für die Kuratie Christkönig in Lübars, die schon immer vermögensrechtlich zu Maria Gnaden gehörte.

Pfarrer Weinges leitet nun den Pfarrverbund Hermsdorf-Waidmannslust-Lübars.
21.7.1991 Feier des silbernen Priesterjubiläums von Pfr. Niklas Weinges
1.5.1992 P. Dr. Franz Konrad OMI kommt als Subsidiar zur Mithilfe in der Seelsorge im Pfarrverbund in die Gemeinde.
14.3.2002 P. Dr. Franz Konrad verlässt die Gemeinde, um nach Berlin-Oberschöneweide zu ziehen und so näher an der Theologisch-Pädagogischen Akademie zu wohnen, wo er seit 1991 einen Lehrauftrag ausübt. Auch dort ist er tätig als Subsidiar für die Mithilfe in der Seelsorge im Dekanat Köpenick-Treptow.
1.9.2002 Kaplan Frank Hoffmann kommt in die Gemeinde (mit halber Kaplansstelle neben seiner Tätigkeit als Diözesanjugendseelsorger).
1.3.2004 Die Kuratien Regina Mundi in Waidmannslust und Christkönig in Lübars werden mit der Pfarrei Maria Gnaden fusioniert.

Die neue „Großgemeinde“ trägt den Namen Maria Gnaden. Pfarrkirche ist Maria Gnaden, weitere Gottesdienststätte ist die Kirche Christkönig. Die Gottesdienststelle Regina Mundi wird aufgehoben. Die fusionierte Gemeinde hat nun 4.091 Mitglieder.
30.1.2005 Feier des 70.Geburtstages von Pfarrer Niklas Weinges.
14.3.2005 Kaplan Hoffmann wird zum Kuratus der Pfarrei Michendorf ernannt und daher von seinen Pflichten als Kaplan im Pfarrverbund entbunden.
5.6.2005 Schwester Beatrix beendet ihre Tätigkeit als Gemeindereferentin.
1.11.2005 Pfarrer Niklas Weinges tritt in den Ruhestand.
1.11.2005 Frau Therese Falk tritt ihren Dienst als Gemeindereferentin an.
bis 30.4.2006 für die Übergangszeit werden Administratoren eingesetzt: Für den pastoralen Bereich (Administrator in spiritualibus) Pfarrer Peter Elsner, für den Verwaltungsbereich (Administrator in temporalibus) zunächst Pfarrer Klaus Rössner (1.11.-24.11.06), danach Pfarrer i. R. Niklas Weinges (25.11.05 – 30.4.06).
1.5.2006 Pfarrer Markus Brandenburg wird als Pfarrer eingeführt.
1.1.2008 Frau Falk übernimmt nun zu ihrer Tätigkeit als Gemeindereferentin in Maria Gnaden Aufgaben für die drei Gemeinden der Region Nord unseres Dekanats (St.Hildegard, St.Martin und Maria Gnaden).

Diese Chronologie wurde zusammengestellt von Harald Völker. Grundlage ist die Chronologie der unten genannten Festschrift, die überarbeitet und erweitert wurde.

Quellen:

  • Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens der Pfarrkirche, Berlin 1984, bes. die Chronologie. S.4-6 (Verf.: Pfr. Weinges).
  • Baustein für die Renovation der Kirche und den Umbau des dortigen Altarraumes Juni bis November 1988, Berlin 1988, (Verf.: Pfr. Weinges)
  • Schulgeschichte als Gesellschaftsgeschichte, Die höheren Schulen im Berliner Vorort Hermsdorf (1893-1945), Berlin 1994, bes. die Ortsgeschichte Hermsdorfs, S.16-27 (Verf.: Bettina Goldberg)