Ökumenischer Gesprächsabend vom 30.10.2018

Lebhafte Diskussionen bildeten die Basis unseres Gesprächsabends. Interessant hierbei, dass doch recht unterschiedliche Themen, wie die Bischofssynode mit dem Schwerpunkt „Jugend“, Gedanken zum Reformationstag, aber auch die Debatte um Missbrauchsfälle durchaus überleitende Gesprächsansätze zeigten.

Papst Franziskus nannte bei der Bischofssynode gerade das Zuhören als eine elementar wichtige Voraussetzung für ein kirchliches Miteinander. Eher befremdlich hierzu auch eine klerikale widersprechende Einschätzung, die der „Lebenswirklichkeit keine theologische Valenz“ zuordnen wolle. Gemeint war, dass die feststellbare Lebenswirklichkeit in den Gemeinden keine Bedeutung hätte, sondern allein die Heilige Schrift als entscheidender Maßstab. Hierzu bildete das Thema Homosexualität in der Gesellschaft einen Prüfstein. Diese wird biblisch als Sünde dargestellt, jedoch erfährt diese heute eine andere gesellschaftliche Akzeptanz. Inwiefern kann hier also ein anderer Wertemaßstab gelten? Wie weit haben sich Jugendliche heute durch nicht mehr vorhandene Glaubensinhalte von der Kirche entfernt?

Überleitend berichtete ich von der Veröffentlichung der Untersuchungskommission zum Thema „Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche“ im Rahmen der Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Von der Kommission wurde eine Verbindung von Pädophilie zur Homosexualität erkannt, nicht reziprok, um dies nicht misszuverstehen. Daher regte Kardinal Marx an, gerade in den Priesterseminaren weitreichende Prüfungen vorzunehmen, inwiefern man negativen Entwicklungen entgegentreten könne. Doch wies er darauf hin, dass der Untersuchungsbericht keine Lösungen nannte, sondern ausdrücklich einen beschreibenden Inhalt hatte. Homosexualität im klerikalen Bereich scheint nach der Untersuchung nicht nur eine Einzelerscheinung darzustellen, sondern wie es Kardinal Marx formulierte, eine systemimmanente Situation zu beschreiben. Die gleichzeitig durch die Kommission festgestellten Vertuschungen, Verweigern der Herausgabe von Akten und Verfälschungen durch einzelne Bistümer zeigte nach Auffassung der Kommission ein generelles Problem auf. Die Vielzahl von Missbrauchsfällen, die nach Meinung der Kommission wohl von einer sehr hohen Dunkelziffer (vermutete Verdopplung) geprägt sei, schockierte .

Zum Reformationstag 2018 erörterten wir die heutige Sicht auf Martin Luther, der nicht nur gegenwärtig geltende Sichtweisen in Hinblick auf die Rechtfertigungslehre begründete, selbst aber auch nicht als unumstritten in der heutigen Betrachtung erscheint. Allein sein vielfach geäußerter Antisemitismus, aber auch seine Meinung, dass behinderte Kinder durch den Teufel gezeugt wurden und deswegen getötet werden müssen, gibt schon zu denken. Vieles sollte jedoch, ohne es zu relativieren, aus dem damaligen historischen Kontext eingeordnet werden.

Zum nächsten Gesprächsabend lade ich wieder alle Interessierten zum 27.11.2018, um 19.30 Uhr in unser Gemeindezentrum von Maria Gnaden herzlich ein. Dabei werden wir die Frage des Glaubens generell in unserer Gesellschaft diskutieren.

Ihr Lutz Hartmann
Tel.: 030/404 19 87

Do, 1.Nov 2018 · Gemeindeleben · Ökumene

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