Ökumenischer Gesprächsabend vom 29.01.2019

Der Glaube an Gott, an die Kirche? Beides müssen oder sollten in einem inhaltlichen Zusammenhang stehen. Doch gerade hier zeigen sich in den letzten Jahren Probleme auf, deren Lösung für den weiteren Erhalt einer Kirche, die den Menschen zugewandt ist, bedeutsam ist. Die letztens bekannt gewordenen erhöhten Kirchenaustrittszahlen weisen auf einen Dissens hin.

Daher stellten wir dies in den Mittelpunkt des Gesprächsabends.

Der Bestseller-Autor Manfred Lütz sieht die Schwierigkeiten der Kirchen nicht in sexuellen Fragen, sondern im fehlenden Glauben. „In Wirklichkeit ist das Problem der Kirche nicht die Kirchensteuer, nicht die Sexualmoral, nicht der Zölibat, nicht das Frauenpriestertum. Das Problem der Kirche, beider Kirchen ist: Die Leute glauben nicht mehr an Gott!“

Margot Käßmann merkte in einem Interview hierzu an, dass der christliche Glaube in den Familien oft heute nicht mehr gelebt wird. Kinder wachsen ohne die Kenntnis von Gott und biblischen Aussagen auf.
Gerade hierzu sahen wir an diesem Abend die Notwendigkeit zu klären, welche Inhalte uns wichtig sind. Hierzu merkte ich an, dass sich die Evangelische Kirche wie auch die Katholische Kirche in Deutschland in einem erheblichen Wandel befinden, so wie es auch sein muss, wenn es Kirchen der Gläubigen sein sollen. Hierbei stellt sich die Frage nach der Ausdeutung von biblischen Inhalten. Wie authentisch sind deren Aussagen, kam es womöglich zu Ungenauigkeiten in den Bibelübersetzungen.

Ein Bekenntnis zur Homosexualität ist für Priesteramtskandidaten im Erzbistum Paderborn künftig kein Ausschlusskriterium mehr. “Wenn sie den Zölibat einhalten, werden auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiert”, sagte der Regens des Paderborner Priesterseminars, Michael Menke-Peitzmeyer, im WDR. “Wir müssen unterscheiden zwischen einer homosexuellen Orientierung eines Menschen und einer homosexueller Praxis.”

Dies war stets ein Ausschlusskriterium und dürfte auch weiterhin für Diskussionen hinsichtlich einer Allgemeingültigkeit sorgen.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing rief zu einer raschen Erneuerung der Katholischen Kirche auf. “Ein einfaches ‘Weiter so’ als Kirche kann es nicht geben”, stellte Bätzing fest.

“Wir haben Kirchen genug, aber wir haben zu wenig Kirche”, sagte Bätzing. Wie man die Menschen wieder erreichen könne, müsse die Kirche nun neu lernen, auch durch “Trial and error” (Versuch und Irrtum). Dies verspricht eine wichtige Entwicklung anzudeuten, die auch den Dialog zwischen der Evangelischen und Katholischen Kirche fördern dürfte.

Doch auch in der Katholischen Kirche selbst werden manche Aussagen abweichend gedeutet.
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat in der Debatte um Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal vor falschen Schlüssen gewarnt. In einem Gottesdienst wies Voderholzer im Regensburger Dom den Rat zurück, die Kirche müsse sich “neu erfinden”. Das könne sie gar nicht, weil sie keine Erfindung der Menschen, sondern das “Projekt Gottes” sei. Hier stoßen doch recht unterschiedliche Betrachtungsweisen aufeinander.

Zum nächsten Gesprächsabend lade ich wieder alle Interessierten zum 26.2.2019, um 19.30 Uhr in unser Gemeindezentrum von Maria Gnaden herzlich ein. Dabei werden wir die hier angeführten unterschiedlichen Sichtweise weiter diskutieren und hierzu insbesondere die Anregung aufgreifen, Gründe zu benennen, die für die Mitgliedschaft in einer Kirche sprechen.

Ihr Lutz Hartmann

Mi, 30.Jan 2019 · Gemeindeleben · Ökumene